Die Straße selbst ist mal mehr oder weniger gut, teilweise
eine fiese Wellblechpiste, auf der man gerade mal 40 km/h fahren kann, dann
wieder streckenweise in echt gutem Zustand, so dass man 80 km/h schafft – aber
man muss immer wahnsinnig aufpassen, denn es kann immer mal plötzlich ein
Schlagloch kommen, fette Steine, ein kleiner Fluss oder eine Kuh, die sich im
letzten Moment entschließt, über die Straße zu rennen. Die Gibb ist einfach
legendär und wir waren schon alle sehr gespannt...
Relativ spät am Abend sind auch unsere neuen Freunde, die
Britzis, in El Questro angekommen, zur großen Freude unserer Kinder. Unser
Nachbarplatz sollte am nächsten Morgen frei werden und ab da waren wir dann
auch direkt nebeneinander – viel praktischer was Lagerfeuer usw. anging...
Wir sind am nächsten Morgen echt früh aufgestanden und sind
erstmal zu den Zebedee Springs, heißen Thermalquellen, gefahren. Laut unserem
Reiseführer sollte man früh da sein, da es sonst voll werden würde und wir
waren tatsächlich schon um kurz vor 7 Uhr morgens dort – obwohl wir immer noch
alles einpacken und die Zelte abbauen mussten. Eine Stunde im badewannewarmen
Wasser herumplantschen, unter Palmen und mit Blick auf die schroffen Felswände
– sehr schön.
| El Questro Gorge |
Da Finn immer behauptet, ich schreibe nicht ausführlich
genug, nachstehend Zitat Finn:
„Unterwegs haben wir uns gegenseitig auf dem extrem tiefen
Rivercrossing gefilmt. Besondere Schwierigkeit war hier, dass man nicht den
Boden sehen konnte und ziemlich vorsichtig die Steine überqueren musste – aber
auch das haben wir souverän geschafft. Die Wanderung war dann ein echter Knaller:
bis zum Pool ungefähr auf der Hälfte des Weges war der Weg ziemlich normal, man
musste nur ein bisschen das Gleichgewicht halten, um nicht ins Wasser zu fallen
und versuchen, nicht direkt in den Schlamm zu treten. Dann aber ging´s richtig
los: Zuerst mussten wir mit unseren Sachen über dem Kopf durch den Pool, der
die gesamte Breite der engen Gorge ausnahm, bis zur Brust im Wasser waten, um
dann nass einen großen Felsen hinaufzuklettern. Als man das geschafft hatten,
konnte man seine Schuhe wieder anziehen und weiterklettern. Im Laufe des Weges
mussten wir diverse Felsen hochklettern, einmal sogar einen Wasserfall. Am Ende
wurden wir mit einem weiteren Plunge Pool (Pool, in den ein Wasserfall fällt)
belohnt, in den man auch von dem kleinen Wasserfall springen konnte. Dann
mussten wir uns schon wieder aufmachen, dass wir rechtzeitig vor der Dunkelheit
wieder nach Hause kamen, denn alles in allem hat die Wanderung doch ca. 4
Stunden gedauert. Auf dem Rückweg, der eher abwärts ging, sind wir ein paar mal
einfach Felsen runtergerutscht. Alles in allem war diese meine Lieblingswanderung.“
Abends haben wir noch mit den Britzis gemeinsam bei
Lagerfeuer und Stockbrot Geschichten erzählt, waren aber nach einem
anstrengenden Tag dann auch eher früh im Bett. Noch zu erwähnen ist hier der
unglaubliche Sternenhimmel, der sich Abend für Abend von seiner schönsten Seite
zeigt – noch nie habe ich die Milchstraße und einzelne Sternenbilder so
deutlich gesehen.
Am nächsten Morgen mussten Hannah und ich schon wieder früh raus, da wir einen trail ride gebucht hatten – einen Morgenritt. Da weder Hannah noch ich sonderlich vertraut mit Pferden sind, waren wir ein bisschen aufgeregt, aber nach kurzer Einweisung – rechts, links, los und bremsen, ging es auch schon los. Die Pferde wussten zum Glück genau, wo sie lang gehen mussten und was sie zu tun hatten. Und nicht nur mit Autos muss man hier ständig irgendwelche Creeks überqueren, nein, auch mit den Pferden sind wir ständig durchs Wasser geritten...alles in allem echt toll.
| Pentecost Rivercrossing |
Wir sind danach erstmal weitergefahren und haben uns nach ca.
2 Stunden ein Bushcamp gesucht, total malerisch am Flussufer gelegen –
glücklicherweise aber sehr hoch, so dass einen die Salties nicht erreichen
konnte – man sollte in der Nacht nur die Augen sehen (haben wir aber nicht...).
Krokodile können einem hier immer wieder begegnen – man soll auch nicht die
Tiefe eines Flusses überprüfen, in dem man durchwatet, da immer die Gefahr
besteht, dass man „gefressen“ wird – wie Dustin bei der Einführung warnte.
Bushcamp bedeutet, dass man frei campen kann – wir haben ein
sehr nettes Schweizer Pärchen getroffen, mit denen wir bei Stockbrot und
Campfire Geschichten erzählt haben.
| Manning Gorge |
Auf der Strecke haben wir uns noch einen neuen Reifen gekauft, da der andere nicht mehr zu reparieren war. Dabei hat der Reifentyp festgestellt, dass unser Vorderrad auch ziemlich platt war, aber er meinte nur, wir sollten das im Auge behalten. Ende vom Lied war, dass wir auf unserem nächsten Stopp noch einen Reifen wechseln mussten, wieder mit Hilfe der netten Australier, allerdings gaben die uns gute Tipps, aber Henrik musste selbst wechseln – wir werden noch richtig routiniert.
| Klippenspringen in der Emma Gorge |
| Bell Gorge |
| Galvans Gorge |
Ich denke, ich muss nicht jeden Stopp erzählen, man fährt die Gibb immer wieder runter, zu der ein oder anderen Gorge – die wirklich eine schöner als die andere ist, man kommt zu super schönen Wasserfällen, meistens kann man auch schwimmen und fast immer gibt es verschieden hohe Klippen, von denen die Kinder springen können. Allerdings liegen die Schluchten manchmal bis zu 50 km von der Hauptstrecke weg und man muss seinen Benzinverbrauch schon genau planen. Nach der 7. Gorge weiß man allerdings auch nicht mehr genau, welche man schon gesehen hat und man ist „pretty much gorged out“. Die Kimberleys sind aber ein großartiges Fleckchen Erde und mit der richtigen Ausrüstung macht es super viel Spaß sie zu erkunden.
| fast auf Augenhöhe mit dem Krokodil |
An unserem letzten Tag auf der Gibb sind wir noch in die Windjana Gorge gefahren, die vor ein paar hundert Millionen Jahren mal ein Korallenriff war – jetzt fließt ein Fluss durch, der in der Trockenzeit immer schmaler wird, so dass die hier ansässigen „Freshies“ sich auf ziemlich engen Raum tummeln müssen. Bei einem kleinen Spaziergang sieht man hier bis zu 30 Krokodile im Wasser oder sich auf Sandbänken sonnen. Aber no worries, Freshies tun Menschen nichts, es sei denn, man ärgert sie – aber dann würden wir uns ja auch wehren.
| Windjana Gorge |
Und nach diesem letzten Abenteuer hatten wir nur noch die
letzten 150 Kilometer bis nach Derby zu fahren, teilweise sogar auf einer
richtigen Straße – Himmel, war das eine Wohltat nach dem ganzen Gerüttel und
Geschüttel auf der Gibb.
Alles in allem war dieser Teil unserer Reise sicher eines
der Highlights!
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