Freitag, 8. Juli 2016

27.06. - 06.07.: The Gibb River Road

The Gibb River Road (oder kurz: the Gibb) ist eine ca. 600 km lange Straße, die nicht asphaltiert ist – also dirt road, unsealed road oder gravel road, die im Norden von Kunnunura nach Derby also quer durch die Kimberleys, führt. Da die Straße nicht geteert ist, ist sie während der Regenzeit von November bis so ca. Mai nicht passierbar, und auch jetzt in der Trockenzeit gibt es noch diverse Flüsse und Bäche, die man überqueren muss. Daher ist ein Allrad mit hohem Radstand unbedingt notwendig, darüber hinaus soll man nur mit zwei Ersatzreifen, genug Wasser, Essen und auch genug Benzin ausgerüstet losfahren...auf der Gibb gibt es nur zwei Roadhäuser mit Tankstellen, und man bekommt schon mal ein Brot, aber alles, wie gesagt, nur sehr sporadisch. Und dazwischen ist immer wieder nichts.
Die Straße selbst ist mal mehr oder weniger gut, teilweise eine fiese Wellblechpiste, auf der man gerade mal 40 km/h fahren kann, dann wieder streckenweise in echt gutem Zustand, so dass man 80 km/h schafft – aber man muss immer wahnsinnig aufpassen, denn es kann immer mal plötzlich ein Schlagloch kommen, fette Steine, ein kleiner Fluss oder eine Kuh, die sich im letzten Moment entschließt, über die Straße zu rennen. Die Gibb ist einfach legendär und wir waren schon alle sehr gespannt...

Nach Lake Argyle sind wir nach Kununnura gefahren, dem letzten Ort vor der Gibb, in dem wir nochmal getankt haben und unsere Vorräte aufgestockt haben, um richtig vorbereitet loszufahren. Die ersten Kilometer waren noch sealed, aber dann sind wir nach „El Questro“ gefahren, unserem ersten Stopp auf der Gibb (die Attraktionen - vor allem wilde Schluchten in wunderschöner Landschaft - liegen von der Gibb entfernt und man muss immer ein paar oder auch mehr Kilometer ins Nichts fahren, bis man jeweils dahin kommt). Der Weg nach El Questro allein war schon Programm, da man kurz vor dem Campground erstmal einen für uns schon ziemlich tiefen Creek überqueren musste – sehr eindrucksvoll. Dustin, unser Autovermieter, sagte zwar, dass wir problemlos 70 cm tiefe Wasserläufe durchfahren können, aber das muss man auch erstmal machen. Das erste Mal war es schon echt spannend, aber auch daran gewöhnt man sich ... El Questro war eine Rinderfarm von immenser Größe mit tausenden von Rindern, deren Eigentümer in den letzten Jahren entdeckt haben, dass man mit Tourismus mehr Geld verdienen kann und so ist ein Campingplatz mit verschiedenen Angeboten entstanden.
Nachdem wir uns einen schönen Platz am Fluss gesucht haben, sind wir nochmal mit dem Auto los zu einem Lookout – wir wissen jetzt auch, was 4X4 in low range bedeutet – das Auto krabbelt quasi einen mördersteilen Berg im ersten Gang hoch, während man versucht, den gröbsten Steinbrocken auszuweichen. Und runter ist es noch viel abenteuerlicher – aber unser Auto hat alles super geschafft und wir fühlten uns immer sicherer.
Relativ spät am Abend sind auch unsere neuen Freunde, die Britzis, in El Questro angekommen, zur großen Freude unserer Kinder. Unser Nachbarplatz sollte am nächsten Morgen frei werden und ab da waren wir dann auch direkt nebeneinander – viel praktischer was Lagerfeuer usw. anging...

Wir sind am nächsten Morgen echt früh aufgestanden und sind erstmal zu den Zebedee Springs, heißen Thermalquellen, gefahren. Laut unserem Reiseführer sollte man früh da sein, da es sonst voll werden würde und wir waren tatsächlich schon um kurz vor 7 Uhr morgens dort – obwohl wir immer noch alles einpacken und die Zelte abbauen mussten. Eine Stunde im badewannewarmen Wasser herumplantschen, unter Palmen und mit Blick auf die schroffen Felswände – sehr schön.

El Questro Gorge
Später sind wir zusammen mit den Britzis zu der El Questro Gorge, eine der großen Attraktion hier, gefahren.
Da Finn immer behauptet, ich schreibe nicht ausführlich genug, nachstehend Zitat Finn:
„Unterwegs haben wir uns gegenseitig auf dem extrem tiefen Rivercrossing gefilmt. Besondere Schwierigkeit war hier, dass man nicht den Boden sehen konnte und ziemlich vorsichtig die Steine überqueren musste – aber auch das haben wir souverän geschafft. Die Wanderung war dann ein echter Knaller: bis zum Pool ungefähr auf der Hälfte des Weges war der Weg ziemlich normal, man musste nur ein bisschen das Gleichgewicht halten, um nicht ins Wasser zu fallen und versuchen, nicht direkt in den Schlamm zu treten. Dann aber ging´s richtig los: Zuerst mussten wir mit unseren Sachen über dem Kopf durch den Pool, der die gesamte Breite der engen Gorge ausnahm, bis zur Brust im Wasser waten, um dann nass einen großen Felsen hinaufzuklettern. Als man das geschafft hatten, konnte man seine Schuhe wieder anziehen und weiterklettern. Im Laufe des Weges mussten wir diverse Felsen hochklettern, einmal sogar einen Wasserfall. Am Ende wurden wir mit einem weiteren Plunge Pool (Pool, in den ein Wasserfall fällt) belohnt, in den man auch von dem kleinen Wasserfall springen konnte. Dann mussten wir uns schon wieder aufmachen, dass wir rechtzeitig vor der Dunkelheit wieder nach Hause kamen, denn alles in allem hat die Wanderung doch ca. 4 Stunden gedauert. Auf dem Rückweg, der eher abwärts ging, sind wir ein paar mal einfach Felsen runtergerutscht. Alles in allem war diese meine Lieblingswanderung.“
Abends haben wir noch mit den Britzis gemeinsam bei Lagerfeuer und Stockbrot Geschichten erzählt, waren aber nach einem anstrengenden Tag dann auch eher früh im Bett. Noch zu erwähnen ist hier der unglaubliche Sternenhimmel, der sich Abend für Abend von seiner schönsten Seite zeigt – noch nie habe ich die Milchstraße und einzelne Sternenbilder so deutlich gesehen.




Am nächsten Morgen mussten Hannah und ich schon wieder früh raus, da wir einen trail ride gebucht hatten – einen Morgenritt. Da weder Hannah noch ich sonderlich vertraut mit Pferden sind, waren wir ein bisschen aufgeregt, aber nach kurzer Einweisung – rechts, links, los und bremsen, ging es auch schon los. Die Pferde wussten zum Glück genau, wo sie lang gehen mussten und was sie zu tun hatten. Und nicht nur mit Autos muss man hier ständig irgendwelche Creeks überqueren, nein, auch mit den Pferden sind wir ständig durchs Wasser geritten...alles in allem echt toll.


Den restlichen Tag haben wir nur gemütlich auf dem Campingplatz verbracht, mussten noch ein bisschen unsere Route planen, dann haben wir noch einen kleinen Ausflug auf einer 4X4 Strecke zu einem weiteren Lookout gemacht. Abends waren wir noch mit unseren Freunden essen, um unseren letzten gemeinsamen Abend zu feiern, da die Britzis ziemlich direkt nach Broome mussten.



Pentecost Rivercrossing
Nach wilden Abschiedsszenen sind wir am nächsten Morgen aufgebrochen, weiter die Gibb nach Westen. Ziemlich direkt nach El Questro kam eine abenteuerliche, lange Flussüberquerung vor unglaublicher Kulisse. Wir haben uns durchgekämpft und wollten dann zurückblickend ein Foto machen – wobei wir leider festgestellt haben, dass unser Hinterrad akut Luft verlor – ein Stein war wohl doch zu spitz und wir haben uns ein fettes Loch in den Reifen gefahren. Na, super! Da wir morgens noch in einer anderen Schlucht waren, waren wir schon recht spät dran und da auf der Gibb die Übernachtungsmöglichkeiten wie gesagt eher spärlich gesät sind, hatten wir noch gut 130 km zu fahren – auf der Gibb kann so was schon seine Zeit dauern.
Und dann noch Reifen wechseln. Der Australier lacht wahrscheinlich, aber wir mussten erstmal unser Equipment suchen... Glücklicherweise sind die Aussies ja echt super nett, und nach 5 Minuten hielt auch schon der Erste an (zufällig ein Deutscher, der seit 15 Jahren in Australien als Fotograf lebt) und wechselte den Reifen für uns – wir standen aber sehr fachmännisch drumherum und haben auch ab und zu einen total passenden Kommentar abgegeben...
Wir sind danach erstmal weitergefahren und haben uns nach ca. 2 Stunden ein Bushcamp gesucht, total malerisch am Flussufer gelegen – glücklicherweise aber sehr hoch, so dass einen die Salties nicht erreichen konnte – man sollte in der Nacht nur die Augen sehen (haben wir aber nicht...). Krokodile können einem hier immer wieder begegnen – man soll auch nicht die Tiefe eines Flusses überprüfen, in dem man durchwatet, da immer die Gefahr besteht, dass man „gefressen“ wird – wie Dustin bei der Einführung warnte.
Bushcamp bedeutet, dass man frei campen kann – wir haben ein sehr nettes Schweizer Pärchen getroffen, mit denen wir bei Stockbrot und Campfire Geschichten erzählt haben.

Am nächsten Morgen sind wir total früh weiter, wir hatten noch ein paar Kilometer vor uns, dieses Mal teilweise auf einer grottenschlechten Straße – eine Wellblechpiste, auf der man richtig durchgeschüttelt wurde, teilweise der Scheibenwischer und / oder Blinker von alleine anging und bei den E-Readern die Seiten von alleine umschlugen. Nachdem wir den Teil geschafft hatten, sind wir an der Manning Gorge angekommen. Wir sind am Nachmittag noch hingewandert, nicht ohne direkt am Anfang auf einem kleinen Boot mit Loch und viel Wasser einen Fluss zu überqueren. Auch sehr lustig. Die Gorge selbst war wirklich traumhaft, klares Wasser mit einem tollen Wasserfall umringt von roten, steil aufragenden Felsen.

Manning Gorge

Auf der Strecke haben wir uns noch einen neuen Reifen gekauft, da der andere nicht mehr zu reparieren war. Dabei hat der Reifentyp festgestellt, dass unser Vorderrad auch ziemlich platt war, aber er meinte nur, wir sollten das im Auge behalten. Ende vom Lied war, dass wir auf unserem nächsten Stopp noch einen Reifen wechseln mussten, wieder mit Hilfe der netten Australier, allerdings gaben die uns gute Tipps, aber Henrik musste selbst wechseln – wir werden noch richtig routiniert.
Klippenspringen in der Emma Gorge
Bell Gorge
Galvans Gorge













Ich denke, ich muss nicht jeden Stopp erzählen, man fährt die Gibb immer wieder runter, zu der ein oder anderen Gorge – die wirklich eine schöner als die andere ist, man kommt zu super schönen Wasserfällen, meistens kann man auch schwimmen und fast immer gibt es verschieden hohe Klippen, von denen die Kinder springen können. Allerdings liegen die Schluchten manchmal bis zu 50 km von der Hauptstrecke weg und man muss seinen Benzinverbrauch schon genau planen. Nach der 7. Gorge weiß man allerdings auch nicht mehr genau, welche man schon gesehen hat und man ist „pretty much gorged out“. Die Kimberleys sind aber ein großartiges Fleckchen Erde und mit der richtigen Ausrüstung macht es super viel Spaß sie zu erkunden.




fast auf Augenhöhe
mit dem Krokodil

An unserem letzten Tag auf der Gibb sind wir noch in die Windjana Gorge gefahren, die vor ein paar hundert Millionen Jahren mal ein Korallenriff war – jetzt fließt ein Fluss durch, der in der Trockenzeit immer schmaler wird, so dass die hier ansässigen „Freshies“ sich auf ziemlich engen Raum tummeln müssen. Bei einem kleinen Spaziergang sieht man hier bis zu 30 Krokodile im Wasser oder sich auf Sandbänken sonnen. Aber no worries, Freshies tun Menschen nichts, es sei denn, man ärgert sie – aber dann würden wir uns ja auch wehren.
Windjana Gorge

Kurz nach der Windjana Gorge sind wir nach Tunnel Creek gefahren, einer großen knapp 1 km langen Höhle, die man auf eigene Faust mit Taschenlampe erkunden konnte – im Stockdunkeln musste man auch durch Wasser waten (in dem übrigens auch ein Krokodil lebte), über Steine klettern usw., alles also ganz schön aufregend. 

Und nach diesem letzten Abenteuer hatten wir nur noch die letzten 150 Kilometer bis nach Derby zu fahren, teilweise sogar auf einer richtigen Straße – Himmel, war das eine Wohltat nach dem ganzen Gerüttel und Geschüttel auf der Gibb.


Alles in allem war dieser Teil unserer Reise sicher eines der Highlights!

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