Samstag, 4. Juni 2016

25.05. - 31.05.: Der Weg nach Norden, Teil 4


Nachdem wir nach unserem Segeltörn wieder festen Boden unter den Füssen hatten, machten wir uns weiter auf unseren Weg nach Norden. Erste Station war Bowen, ein kleines Städtchen am Meer, das uns von irgendwelchen Travellern unterwegs empfohlen worden ist.
Dort war es auch sehr nett, mit Swimmingpool, Aussichtspunkt und nettem Café am Strand – was will man mehr? Wir haben einfach nur am Pool rungelungert, nachmittags einen Spaziergang in die nächste Bucht gemacht und auf dem Rückweg haben wir tatsächlich zufällig die Familie mit den Kindern getroffen, die wir schon im Eungella Nationalpark, im Bushcamp, getroffen haben. Auch Australien ist eine kleine Welt.
 
Aber nach einer Nacht sind wir schon wieder weiter gen Norden gefahren, ein weiterer Campingplatz am Meer, nicht so schön, aber mit Pool und anderen Kindern, was für unsere Kids schon etwas Besonderes ist, denn Kinder zum Spielen sind hier relativ selten, da die ja immer in die Schule gehen müssen.

Nächstes Ziel war Townsville, die nächste größere Stadt vor Cairns. Als besonderes Highlight haben wir hier einen Ausflug nach „Magnetic Island“ gemacht: die magnetische Insel, da Captain Cook, der alte Entdecker, schon 1770 steif und fest behauptete, dass hier sein Kompass verrückt spielte – unser Kompass auf dem iPhone hat zumindest nicht verrückt gespielt...aber das ist vielleicht auch nicht ganz zu vergleichen ;0).


I'm a barbie girl...
in my barbie world...
Magnetic Island eignet sich hervorragend für einen Tagesausflug, die Fähre dauert nur ca. 25 Minuten. Dort haben wir uns ein „MOKE“ gemietet, einen fahrbaren Untersatz, der im normalen Straßenverkehr nicht mehr zugelassen ist, aber auf der Insel noch fahren darf – in PINK. Sehr cool! Wir sind also in unserem MOKE über die Insel gefahren, haben an diversen Buchten und Schiffswracks gehalten, waren am Strand – ein toller Tag, wir hatten Mörderspass mit unserem BarbieAuto!

Nächster Stopp auf unserem Weg nach Norden war Mission Beach, ein Muss laut sämtlichen Reiseführern. In Mission Beach hatten wir einen total netten Campingplatz direkt am Strand. Ich habe gleich unsere Nachbarn gefragt, wie denn hier die Situation ist: Sandflies? Nein. Swinger (=giftige Quallen)? Eher nicht. Eigentlich ist die Stinger Season hier oben im Norden auch langsam vorbei, aber so ganz sicher ist man sich ja nicht, ob diese kleinen Viecher das auch schon wissen. Zur Vorsicht stehen an jedem Strand die Essigflaschen rum, mit denen man den Verletzten behandeln soll, bevor man den Krankenwagen ruft – irgendwie nicht so vertrauenserweckend. Naja, schwimmen sollte man laut den Nachbarn in jedem Fall nicht, da sich am Vormittag noch ein Krokodil in Strandnähe herumgetrieben hat... Hmmm, auch nicht ganz so super, also dann eben nicht baden...

Mission Beach ist ein kleines Städtchen, in dem sich viele viele Backpacker rumtreiben, kleine Cafés, ein super Strand und ziemlich viele Angebote von Dingen, die noch auf unserer (naja, vor allem auf Henriks) Liste stehen:

Erster Punkt: River Rafting – wir haben mal wieder die Familientour gebucht, ab 6 Jahren, laut Henrik bestimmt total easy. Um 12:00 Uhr wurden wir am Campingplatz abgeholt und sind zum Tully River gefahren, ca. 45 Minuten Fahrt. Während der Fahrt wurden wir schon auf die wichtigsten Dinge hingewiesen – SAFE FLOATING POSITION und so weiter...mir wurde schon ein bisschen mulmig... Naja, in einem Pool am Anfang des Flusses, das Schild mit den Krokodilen haben wir geflissentlich ignoriert, haben wir erst ein bisschen geübt, schnelle Drehungen und so. Henrik und Hannah in einem Kanu, Finn und ich in einem und Tom mit dem Guide. Auf die großen Rafts dürfen die Kinder erst ab 13 Jahren, aber hier ist man eh irgendwie viel näher dran (und man steuert selber und liegt auch viel schneller im Wasser...).


Los ging`s, von Familientour natürlich keine Spur. In unserem Raft saß ich hinten, musste also lenken und ich habe es nur so bedingt auf die Kette bekommen, irgendwie sind wir die ganzen „Rapids“, also die Stromschnellen, rückwärts runtergefahren, aber immerhin sind wir nicht gekentert und nach 4 Stromschnellen (von 9) sind wir sogar mal vorwärtsgefahren. Dass wir ständig auf irgendwelchen Steinen hängen geblieben sind, muss man ja nicht unbedingt hervorheben ;o). Henrik hat derweil versucht, sein Boot, am Anfang noch mit Hannah, um einen Baum zu wickeln – laut unserem Guide hat das vor ihm noch keiner geschafft. Hannah ist dann leider aus dem Raft rausgeflogen, aber sie wollte eh mal die Stromschnellen schwimmen (eigentlich eher geplant und freiwillig ...) – und in der Safe Floating Position war es wohl auch kein Problem, wobei man doch ziemlich viel Wasser schluckt. Ich habe die gesamte Aktion nicht mitbekommen, weil ich mich so gefreut hatte, vorwärts gefahren zu sein. Die schlimmsten Rapids hatten wir schon hinter uns, und dann kam eine, wo wirklich ALLE (außer Finn und mir und den Guides) gekentert sind – 
glücklicherweise waren die Stromschnellen nicht zu lang, aber bis wir wieder alle in den Rafts hatten, alle Paddel eingesammelt hatten, unsere Erfahrungen durcheinandergeschrien haben, das dauerte doch so seine Zeit. Das zweite Mal Kentern hätte man sich laut Hannah sparen können, aber am Ende war dann wieder alles gut.
Zwischendurch mussten wir auch alle still sein, da sich an dem einen Pool ein Saltie, ein Salzwasserkrokodil, häuslich eingerichtet hat – und ja, man will unbedingt ein Krokodil sehen – ich nicht unbedingt, aber man beugt sich ja der Allgemeinheit. Eigentlich leben die ja im Salzwasser, wie der Name schon sagt, aber dieses ist die 20 Kilometer den Fluss herausgeschwommen, trotz Süßwasser und Kälte. Wir haben auch den Baumstamm, wo es am Tag vorher noch gesichtet wurde, gesehen, aber von einem Krokodil keine Spur. Jetzt kann man sich überlegen, ob es nur eine Finte der Guides war, oder ob das Saltie nur irgendwo auf der Suche nach Nahrung herumschwamm – tja, was ist besser? Wir hatten eh kaum Zeit, darüber nachzudenken, da die nächsten Stromschnellen kamen – alle weiteren meisterten wir ohne größere Probleme – we did it! Und es hat auch richtig Spaß gemacht.

Nächster Punkt auf Henriks to do Liste: Skydiven, also Fallschirmspringen – was hier absolut top sein soll, weil man einen wunderschönen Blick von oben hat und dann auf dem Strand landet. Also kurz irgendwelche Unterschriften leisten, dass man sein Leben ganz entspannt in die Hände von irgendjemand legt und sich der Risiken bewusst ist, dass man aus 14 000 Fuß aus einem Flugzeug springt – und los ging es. Da wir ja nicht dabei waren – wir haben am Strand gewartet, wo Henrik dann wieder landen sollte, hier nochmal O-Ton Henrik:

"Wir waren zu zweit, die springen wollten (sowie zwei Typen, mit denen wir zusammen springen sollten - war ja ein Tandemsprung, ganz alleine geht das doch nicht einfach so). Etwas mulmig war mir ja schon, insbesondere nachdem ich das Flugzeug gesehen habe, mit dem man fliegen sollte. So eine alte Rostlaube habe ich noch nie gesehen, eine kleine Propellermaschine mit genau einem Sitzplatz (für den Piloten – immerhin ...) und noch ein bisschen Platz daneben und dahinter, wo wir uns (also zwei und zwei) hingekauert haben. Naja, die Maschine hat es tatsächlich hoch geschafft und der Blick von oben war klasse. 
Noch ein weiteres Mal kurz das Procedere besprochen und dann waren wir auch schon auf 14.000 Fuß (das sind so 4.500 m) Höhe. Wir haben die Tür von dem Flieger geöffnet und es ist schon etwas wild, wenn man rausschaut, in die Tiefe guckt und den Fahrtwind spürt. Tja, und dann sind wir rausgesprungen, wir haben uns erst ein paar Mal überschlagen und sind im freien Fall so ca. 60 Sekunden nach unten gerast, cool!!!! Dann wurde der Fallschirm gezogen und wir sind noch so 2 bis 3 Minuten entspannt nach unten geschwebt und schließlich auf dem Strand gelandet. Insgesamt wirklich beeindruckend!"



Nach diesen Erlebnissen sind wir erstmal wieder ins Inland gefahren und haben Strand und Meer mit Wasserfällen, Regenwald und Wandern getauscht.



Montag, 30. Mai 2016

20.05. - 24.05.: Segeltörn in den Whitsunday Islands, Solway Lass

Endlich war es soweit, unser Segeltörn ging los... wir mussten irgendwie noch den Tag in Airlie Beach totschlagen, da der Trip erst abends um 19:00 Uhr losging. Da es dort eine Lagune zum Schwimmen gab, fiel uns das aber nicht so schwer ... Wir sind dann am Abend mit unserem Wohnmobil zum Hafen, haben es dort für die nächsten 3 Tage geparkt und sind mit den anderen 23 Personen und den 6 Crew-Mitgliedern an Bord gegangen. Kurze Vorstellung, und dann ging es im Stockdunkeln los, drei Stunden mit Motor zu der nördlichsten Insel der Whitsundays.. wir haben erstmal unsere Kajüten bezogen und das Schiff erkundet.

Solway Lass
Unsere Heimat für die nächsten 3 Tage war die „Solway Lass“, ein altes Segelschiff, ein Zweimaster, der schon im Jahre 1902 erbaut wurde – man fühlte sich ein bisschen wie bei „Pirates of the Caribbean“. Sie kam gerade frisch aus der Renovierung und sah fast aus wie neu, hier und da war die Farbe noch nicht ganz trocken, aber das legte sich bald.

Am ersten Morgen war gleich Schnorcheln und Tauchen angesagt, dafür wurden erstmal alle mit einem schicken Stingersuit ausgestattet, wie ein normaler wetsuit, nur aus dünnerem Material. Leider gibt es hier ziemlich gefährliche Quallen, die wir zwar noch nie gesehen haben, deren Berührung aber sehr schmerzhaft bis tödlich sein soll. Und wir wollen ja kein Risiko eingehen...
Für das Scubadiving wurde man mit dem Schlauchboot auf ein Tauchboot gefahren und zum Schnorcheln nur ein bisschen näher ans Land gebracht – man hat tolle Korallen und Fische gesehen, und es war ein super schöner Tauchgang. Das Gleiche hat man zwar auch beim Schnorcheln gesehen, hier halt eher von oben und bei mir eher von der Seite. Klasse auf jeden Fall.

Tarzan...oder war es Jane?
Und dann gab es da auch noch den Tarzansprung – an einer Leine, die irgendwo oben an einem Mast befestigt war, ins Wasser springen. Zumindest Hannah und Finn konnten gar nicht genug davon bekommen. Hannah hatte am nächsten Tag sogar Muskelkater...
Tom am Steuer
Nach dem Mittagessen sind wir weitergefahren zu einer neuen Schnorchel Site. Tom hat das Schnorcheln noch nicht so richtig gepackt – dafür hat er sich aber mit Jimmi angefreundet, der normalerweise das Schlauchboot fuhr, mit dem wir an Land und wieder zurückgebracht wurden. Und ab da gehörte Tom sozusagen zur Crew und durfte das Boot fahren – was er natürlich großartig fand.
Hier wurde auch das „extreme snorkeling“ entdeckt – man hält sich an einer Leine hinter dem Schlauchboot fest und wird sanft durchs Wasser gezogen – oder, wenn Tom das Boot fährt, auch etwas schneller, allerdings sieht man dann nur noch Luftbläschen...

Während wir beim Schnorcheln und am Strand waren, war die Crew damit beschäftigt, die 11 Segel, die während der Zeit in der Werft abgenommen waren, wieder an Ort und Stelle zu befestigen – ganz schön abenteuerlich, da dann bis zu 4 Leute ziemlich weit oben (ca. 25 Meter) in der Takelage rumturnten und die Segel fest machten...am ersten Tag sind wir noch nicht gesegelt, das war erst für den 2. Tag geplant.
Nach Schnorcheln, Tauchen, Tarzansprung und Boot fahren waren wir ziemlich platt und sind früh in unsere Betten gefallen und haben geschlafen.

Am nächsten Morgen sind wir nur ein kurzes Stück gefahren, wurden dann an Land gebracht und sind nach einer kurzen Wanderung nach Whitehaven Beach gekommen – ein Traum! Durch irgendwelche geologischen Besonderheiten liegt hier der „reinste“ Sand, der so fein ist, dass man damit seinen Schmuck reinigen kann (oder wahlweise seine Haut oder Zähne) – dadurch ist er aber auch richtig weiß und und es sieht toll aus. Leider versteckte sich die Sonne hinter ein paar Wolken, aber das tat dem Spaß keinen Abbruch. 

Whitehaven Beach

Auf unserem Schiff war auch eine Familie aus Bayern, Eltern, die Ihren Sohn und dessen Freund nach 6 Monaten Australien abholten und noch ein bisschen zusammen reisten. Mit denen haben die kids einen Ferrari für Finn gebaut– das Ergebnis kann sich sehen lassen!







Nach diesem Landgang wollten wir segeln – es dauert allerdings ca. 40 Minuten, bis alle Segel gehisst sind (und ca. 90 Minuten, bis wieder alle verstaut sind), da überlegt man schon mal, ob der Wind wirklich aus der richtigen Richtung kommt. Als dann alle Segel an Ort und Stelle waren (was nicht wirklich auf Anhieb klappte), jeder mal an irgendwelchen Seilen ziehen durfte, sind wir ziemlich gemächlich los gesegelt – da merkte man erstmal, was die Solway Lass für ein tolles Schiff war. Überhaupt hatte man ziemlich viel Platz und man konnte sich auch mal bewegen im Gegensatz zu einem modernen kleinen Segelboot.
Alles in allem war der gesamte Trip eine echt runde Sache und obwohl wir vorher ein paar Bedenken hatten (große Gruppe, wenig Kinder usw.), waren sowohl die Mitreisenden als auch die Crew echt nett. Isabella in der Küche machte sich immer total viel Mühe mit dem Essen und drei Tage nicht kochen und spülen hat schon auch was.
Mein persönliches Highlight war, das ich quasi eine Schildkröte getroffen habe, die ganz gemächlich vor mir her geschwommen ist, und die ich eigentlich hätte anfassen können, wenn ich mich getraut hätte. Toms Highlight war das Boot fahren, Finns der Tarzansprung, Hannahs das Schnorcheln und der Tarzansprung und Henriks auch die Schildkröte und die metergroßen Napoleonfische beim Schnorcheln... Es war also für jeden etwas dabei.


Die Whitsundays waren auch echt super, die Landschaft ist traumschön und sollten auf keiner Australienreise fehlen und leider war der Segeltörn auf der Solway Lass dann auch schon wieder vorbei.